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ERP in der Logistik: Wann das ERP reicht und wann Sie ein WMS oder TMS brauchen

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Lesedauer: ca. 5 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Third-Party-Logistik heißt: Sie lagern und verteilen Ware für Dritte.

  • Für Handel und E-Commerce reicht Microsoft Dynamics 365 Business Central in der Regel allein.

  • Ein WMS kommt dazu, wenn Sie für fremde Auftraggeber einlagern und diese Leistung abrechnen. Ein TMS, wenn Sie einen eigenen Fuhrpark disponieren.

  • Nicht die Menge entscheidet über die Systemgrenze, sondern das Geschäftsmodell.

  • Bei der Auswahl zählt weniger der Funktionsumfang als die Frage, wie gut Lager und Transport an den kaufmännischen Kern anschließen.

Sind Sie Händler mit eigener Logistik oder Logistikdienstleister?

Diese Unterscheidung entscheidet über die Systemarchitektur und sie wird regelmäßig falsch getroffen.

Wer Schlüsselanhänger im großen Stil verkauft, Kaufland beliefert und dafür ein eigenes Lager betreibt, ist ein Handels- oder E-Commerce-Unternehmen.

„Ein Händler mit eigener Logistik ist ein E-Commerce- oder ein Handelsunternehmen. Das hat nichts mit 3PL zu tun. Third-Party-Logistik sind die, die für Dritte Ware einlagern, verteilen oder fulfillen." Holger Lüke, Geschäftsführer dicobis

Ein Lagerhaus, in dem jedes Unternehmen einlagern kann und das dafür etwa einen Euro pro Palette und Tag abrechnet, ist dagegen ein 3PL-Betrieb. Der Unterschied ist nicht die Lagergröße, sondern wem die Ware gehört.

ERP, WMS oder TMS: Wo verläuft die Systemgrenze?

Ein ERP – Enterprise Resource Planning – ist im Kern Buchhaltung mit Warenwirtschaft: Aufträge, Lagerbestände, Beschaffung, Abschreibungen und Abrechnung. Darauf setzen das WMS für die Lagerlogistik und das TMS für Fahrzeugdisposition und Tourenoptimierung auf.

SystemAufgabeTypische Frage
ERPAuftrag, Bestand, Beschaffung, Buchhaltung, AbrechnungWas wurde verkauft, was liegt auf Lager, was wird fakturiert?
WMSLagerlogistik: Einlagern, Auslagern und Verwalten fremder Ware, LagerstrategieWo steht die Ware von Kunde X und was kostet ihre Lagerung?
TMSFahrzeugdisposition und Tourenoptimierung, FrachtenWelcher Fahrer fährt morgen welche Adressen in welcher Reihenfolge an?

Die kaufmännische Seite bleibt immer im ERP: Ruft der Auftraggeber seine Ware ab, berechnen Sie zehn Tage Lagerung plus Qualitätscheck – und diese Abrechnung ist wieder ERP.

Wann reicht das ERP – und wann nicht?

Die übliche Frage lautet: Ab wie vielen Picks pro Tag oder Lagerplätzen brauche ich ein WMS? Sie ist falsch gestellt. Nicht das Volumen entscheidet, sondern das Geschäftsmodell.

Drei Szenarien:

  • Handel und E-Commerce mit eigenem Lager: Ein ERP genügt. Bestände, Kommissionierung und Versand laufen im Standard von Business Central.
  • Lagerhaltung für Dritte: ERP plus WMS. Das ERP führt Aufträge und Abrechnung, das WMS die Lagerverwaltung für fremde Ware.
  • Spedition mit eigenem Fuhrpark: ERP plus TMS. Das ERP übernimmt Rechnungsstellung und Umsatzsteuer, das TMS die Tourenplanung der Fahrzeuge.

Ein Speditionsbetrieb mit 50 Fahrzeugen braucht beides: das ERP für das Kaufmännische, das TMS für die Frage, welcher Fahrer welche Adressen in welcher Reihenfolge anfährt.

Wie hängen ERP und Supply Chain Management zusammen?

Supply Chain Management ist die Steuerung der gesamten Lieferkette – von der Beschaffung über die Lagerung bis zur Auslieferung. Das ERP liefert dafür die Datenbasis, ist aber nicht dasselbe.

Das ERP führt Aufträge, Lagerbestände und Beschaffung. Erst wenn diese Zahlen als Echtzeitdaten vorliegen, lässt sich die Lieferkette planen statt nachträglich auswerten. Ohne Übersicht über die Bestände bleibt jede Planung Rückschau.

Eigene Supply-Chain-Management-Lösungen lohnen erst, wenn mehrere Werke, Lieferantenstufen oder Standorte gemeinsam geplant werden. Für Handel, E-Commerce und Third-Party-Logistik reicht die Planung im ERP – vorausgesetzt, die Daten aus Lager und Versand landen dort vollständig.

Was leistet die mobile Erfassung im Lager und auf der Straße?

Die wichtigste Standardfunktion in Lager und Fuhrpark ist die mobile Erfassung. Sie läuft als Web-App auf jedem Gerät mit Browser.

Im Lager ersetzt sie den Kommissionierzettel: Der Mitarbeiter sieht auf dem Gerät, welche Ware aus welchem Gang zu entnehmen ist, statt die Liste abzugleichen. Jeder Arbeitsschritt wird dabei gebucht, was die Lagerprozesse im Nachhinein nachvollziehbar macht.

Auf der Straße dokumentiert der Fahrer den Zustand der Ware: Ist eine Palette an der Ladestelle beschädigt, hält er das mit einem Foto fest. Bei der Ablieferung entsteht derselbe Nachweis samt Unterschrift an der Rampe. Alle Dokumente landen im zugehörigen Auftrag im ERP.

„Wenn der Kunde später anruft und sagt, der Fahrer hat hier eine kaputte Palette angeliefert, kannst du sagen: Hier ist der Abliefernachweis, den hat dein Kollege an der Rampe unterschrieben – und das Foto ist auch dabei." Holger Lüke, Geschäftsführer dicobis

Welche Anbindungen sind im Standard dabei?

Für Logistikdienstleister sind drei Anbindungen unmittelbar geschäftsrelevant:

  • Frachtenbörsen: Freie Kapazität einstellen, wenn ein Fahrzeug am nächsten Tag nichts zu tun hat – oder Kapazität zubuchen, wenn die eigene Flotte nicht reicht.
  • Webportal zur Bestandsabfrage: Ihre Auftraggeber sehen selbst, wie viele Paletten von welchem Produkt bei Ihnen liegen – ohne Anruf bei Ihrem Team.
  • KEP-Dienstleister: Die gängigen Anbieter wie GLS oder DPD lassen sich anbinden, Speditionen und Fulfillment-Partner über dieselbe Logik.

Worauf kommt es bei der Auswahl an?

Bei der Auswahl einer ERP-Software für die Logistik entscheidet weniger der Funktionsumfang als die Frage, wie gut Lager und Transport an den kaufmännischen Kern anschließen. Drei Kriterien tragen die Entscheidung:

  • Passung zur Branche: Große Suiten wie SAP decken sehr viele Unternehmensbereiche ab, sind für den Mittelstand aber oft schwerer als nötig. Ein modernes ERP für Handel und Logistik setzt auf vorkonfigurierte Branchenlösungen statt auf einen generischen Kern.
  • Modularität: Lager- und Transportfunktionen sollten sich als Module ergänzen lassen, ohne dass das System gewechselt werden muss.
  • Anschlussfähigkeit: Shops, Marktplätze, KEP-Dienstleister und Auftraggeber müssen sich anbinden lassen, ohne dass daraus jedes Mal ein eigenes Projekt wird.

Ein Funktionsvergleich gibt einen Überblick, beantwortet aber nicht, ob die Softwarelösung zum Geschäftsmodell passt. Das klärt erst der Abgleich der eigenen Prozesse mit dem Standard.

Wie setzt dicobis Logistikprojekte um?

Grundlage ist Microsoft Dynamics 365 Business Central als kaufmännischer Kern. Für Lager und Transport setzt dicobis auf 3PL Dynamics von Boltrics, eine Branchenlösung auf Business-Central-Basis. Mobile Erfassung, Frachtenbörsen-Anbindung und Kundenportal sind dort enthalten.

Der Vorteil dieser Konstellation: Alle Logistikprozesse laufen in einer Systemwelt. Es entsteht keine Zweisystemlandschaft mit doppelten Stammdaten und Abgleichkonflikten zwischen ERP und Lagerverwaltung.

Die Durchführung ist timeboxed auf maximal neun Monate und folgt dem Prinzip Key-User-first: Die Fachbereiche konfigurieren und testen ab dem ersten Workshop selbst mit.

Häufige Fragen zu ERP in der Logistik

Was ist der Unterschied zwischen ERP und WMS?

Das ERP führt Aufträge, Bestände, Beschaffung und Abrechnung. Das WMS verwaltet die physische Lagerung – vor allem dann, wenn Ware für fremde Auftraggeber eingelagert wird. Die Abrechnung dieser Lagerleistung erfolgt wieder im ERP.

Ab wie vielen Picks pro Tag brauche ich ein WMS?

Diese Frage führt in die Irre. Ausschlaggebend ist nicht das Pickvolumen, sondern ob Sie Ware für Dritte einlagern und diese Leistung abrechnen. Ein Händler mit hohem Volumen und eigenem Lager kommt in der Regel mit dem ERP aus.

Braucht eine Spedition ein eigenes ERP?

Ja. Rechnungsstellung, Umsatzsteuer und Anlagenbuchhaltung laufen im ERP. Für die Disposition der Fahrzeuge kommt ein TMS hinzu, das auf dem ERP aufsetzt.

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